Naturkosmetik selbermachen

Naturkosmetik selber machen ist kein Hexenwerk. Eine einfache Anleitung von Anna-Lena Tacke

Wie kann man eigentlich seine eigene Creme selber machen?

Ich habe vor ca. 4-5 Jahren angefangen, meine Kosmetik selbst herzustellen. Unser jüngster Sohn hat damals recht sensibel auf diverse Cremes reagiert. War aber wegen trockener Haut auf Creme angewiesen. Wenn wir ihm Sonnencreme auftragen mussten, ist er regelmäßig pickelig im Gesicht geworden. Da habe ich angefangen mich für die Inhaltsstoffe zu interessieren und war schwer erschrocken, was für Mist eigentlich da überall drinnen ist. Ich meine, mal ehrlich, wer will sich denn Silikone und Parabene auf die Haut schmieren?

Denn genau das und noch weitere billige Produkte stecken ja wirklich viele namenhafte Hersteller in ihre (zum Teil) richtig teure Kosmetikprodukte. 🤨

Ich wollte das dann nicht mehr – und da ich schon immer „Typ DIY“ war, dachte ich mir, das kann man doch sicher auch besser selber machen und habe begonnen mich zu belesen und viele Dinge ausprobiert. Mittlerweile gibt es nur noch eine Handvoll Dinge, die ich nicht selber mache. Aber von Duschgel, Seife, Haarshampoo, Lippenpflege und Haarkur, sowie Tonikum für trockene Kopfhaut und natürlich Cremen und Salben ist alles selbstgemacht.

Was ich besonders liebe, ist dass ich die Wirkstoffe genau auf meine / unsere Haut angepasst aussuchen kann. Brauche ich mehr Feuchtigkeit, etwas gegen Pickelchen oder im Winter einfach mehr Fett, passe ich die Rezepte einfach an. Außerdem macht es mir unheimlich viel Spaß Kräuter, Blüten, Harz und Pflanzenteile zu sammeln und zu verarbeiten. Ob nun in der Destille oder als Tinktur oder Mazerat.

Seitdem ich unsere Cremes und Shampoos, Seife oder Duschgel selber mache, habe wir unheimlich viel Plastikmüll eingespart. Im Schnitt verbraucht eine Person 10 Flaschen Shampoo, 11 Flaschen Duschgel plus 4 Flaschen Handseife pro Jahr. Die haben wir so nun gar nicht mehr im Bad. 👍🏻

Klar komme ich nicht komplett ohne Plastikverpackungen aus, da auch die Rohstoffe manchmal in Plastik eingepackt sind. Dennoch bin ich mir sicher, dass sich meine persönliche Umweltbilanz durch das selber Herstellen sehr verbessert hat. 🙌🏻

Aber wie macht man nun seine eigene Creme?

Wichtig ist tatsächlich sauberes und genaues Arbeiten. 

Für den Anfang braucht man nicht sooo viel. Zugegeben, man “braucht” mit der Zeit doch immer mehr, da es so unendlich viele Wirkstoffe und Zutaten gibt. Ich schreibe Euch hier aber wirklich nur das nötigste auf, damit der ein oder andere vielleicht einfach mal anfängt. 🙂

Bodylotion selbstgemacht, wie das geht könnt Ihr im Blog Artikel von Anna-Lena Tacke lesen

Welches Equipment wird benötigt:

Briefwaage 0,01 Gramm genau

Reagenzgläser oder leere saubere Marmeladegläser

Pürierer oder ein Mixer

sauberer Löffel oder Spatel 

Primasprit 69 % Alkohol aus dem Supermarkt zum Desinfizieren / Alternativ Weingeist 

PH-Teststreifen 

2-3 verschiedene Öle aus dem Supermarkt (Allrounder Olivenöl, Traubenkernöl, Mandelöl, Erdnussöl, Avocadoöl, Kokosöl, Kakaobutter)

Emulgator: hier gibt es zahlreiche, die man seinem Hauttyp später auch anpassen und auch kombinieren kann. Ich finde Lamecreme unglaublich schön und unkompliziert, daher nutze ich ihn fast für alles, zum Teil kombiniert.

Wirkstoffe: Auch hier ist das Angebot unglaublich groß. Von Kräuterextrakten, speziellen Wirkstoffölen, Hautverjüngern und Feuchtigkeitswirkstoffen ist alles dabei. Aber auch hier kann man sich gut belesen und sich für seinen Hauttyp gezielt etwas raussuchen.  

Das schöne bei den Wirkstoffen ist, dass Ihr Eure Kräuter selber sammeln könnt und dann für die Kosmetik nutzen könnt. Das macht mir persönlich fast am meisten Freude…

Milchsäure/Natriumlaktat zum Einstellen des PH-Wertes

Konservierer! Ohne geht es nicht! Und lasst Euch da niemals irgendwas anderes erzählen!!! Grapefruit-Öl ist übrigens kein Konservierer. Leider liest man das auch zu häufig.

Viele Kräuter die am Wegesrand stehen, eignen sich hervorragend um die eigene Naturkosmetik herzustellen.

Die Rezepte zur Kosmetikherstellung sind immer in Gramm angegeben und ergeben in der Summe der Zutaten immer 100. Ehrlich gesagt, kann ich Euch nicht genau sagen, warum das so ist. Aber ich vermute, es kommt von 100% als Ganzes. 

Wenn Ihr also später mal das Netz nach Rezepten durchforstet und Rezepte findet, die mal in Gramm und mal in Milliliter angegeben sind (meistens bei Smarticular und Co.) könnt Ihr schon fast davon ausgehen, dass die Grütze sind. Leider gibt es im Netz unglaublich viele Rezepte, die an Körperverletzung grenzen. 

Kurzer Reminder: Unsere Haut ist unser größtes Organ!! 

Eine Salbe mit der Kraft der Natur herstellen. Das ist nicht so schwer, wie man denkt. Anna-Lena Tacke nimmt mit leichten Rezepten an die Hand und erklärt, wie man seine eigene Naturkosmetik herstellen kann. .

Aber nun Schluss mit der Theorie.

Ein gutes Anfänger Rezept für eine DIY Naturkosmetik Creme:

(Ich nutze die Creme übrigens als Bodylotion und als Gesichtscreme. Eine tolle Allrounder Creme)

Phase A: (Fettphase)

  • 9g Traubenkernöl
  • 9g Olivenöl
  • 5g Kakaobutter
  • 6g Lamecreme 

Phase B: (Wasserphase)

  • 60g destilliertes Wasser oder Hydrolat

Phase C: (Wirkstoffe)

  • 2g Natriumlaktakt
  • 2g Glycerin
  • 2g Aloe Vera Gel
  • 2g Harnstoff 
  • 1g Vitamin E
  • 1g Squalan (pflanzliches Silikon)

Phase D: (Konservierung)

  • 1g Rokkonsal 

Wer mag, kann seine Creme dann noch mit ätherischen Ölen beduften.

Anleitung zum Rühren einer Naturkosmetik Creme:

  1. Alle Gefäße desinfizieren. Das geht am Besten mit Alkohol, idealerweise 70%iger. Wodka mit 40% geht aber zur Not auch. 
  2. Die Fettphase im Marmeladenglas oder Reagenzglas sanft erhitzen. Der Schmelzpunkt von dem Emulgator Lamecreme liegt bei 55-65°C. Diese Temperatur müsst Ihr also kurzzeitig erreichen. 
  3. Die Wasserphase wird auch kurz erwärmt. Das Wasser/Hydrolat muss allerdings nicht auf 60°C erhitzt werden. Da reichen 40% auch. Es soll nur etwas erwärmt werden, damit das Fett nicht so schnell wieder aushärtet.
  4. Wenn die Fettphase klar aufgeschmolzen ist, wird nun die Phase B tröpfchenweise unter Rühren zur Phase A gegeben.
  5. Kräftig weiter emulgieren mit einem Pürierstab oder Mixer, damit sich das Fett nicht wieder trennt. 2-4 Minuten sollten es sein.
  6. Wenn die Emulsion auf ca. 30°C abgekühlt ist, wird die Phase C mit den Wirkstoffen eingerührt. Harnstoff lässt sich leichter verarbeiten, wenn er vorab in Glycerin gelöst wird. 
  7. Nun wird das erste Mal der ph-Wert gemessen. Dieser sollte bei 5,5 bis 6 liegen. Ist der ph-Wert zu niedrig (sauer) kann man mit Natriumlaktat Puffern. Ist er zu hoch (basisch) kann man ihn mit Milchsäure einstellen. 
  8. Wenn der ph-Wert eingestellt ist, wird noch der Konservierer gut eingerührt.
  9. Wer möchte, kann die Creme nun noch beduften. Dafür eignen sich Naturkosmetik geeignete Duftöle oder reine ätherische Öle. 
  10. Die Creme sollte jetzt mit einem Küchenkrepp abgedeckt werden und so 1-2 Stunden stehen gelassen werden. Erneut den ph-Wert überprüfen. Anschließend kann die Creme in saubere Gläser gefüllt werden. 

INFOBLOCK

Warum nutzen wir welche Zutaten?

Traubenkernöl: 

Traubenkernöl ist sehr vitaminreich, für reife Haut als auch junge Problemhaut geeignet. Er wirkt pflegend, rückfettend, gewebefestigend und ist ein Anti-Aging-Öl.

Olivenöl:

Olivenöl regt die Zellerneuerung an, wirkt gegen Falten und versorgt die Haut mit Feuchtigkeit. Außerdem schützt es vor UV-Strahlen, auch wenn es keinen Sonnenschutz ersetzen kann. 

Kakaobutter:

Kakaobutter wird als Konsistenzgeber verwendet. Es gibt dem Produkt aber nicht nur Festigkeit sondern pflegt die Haut, macht sie zart und geschmeidig. 

Lamecreme:

Lamecreme ist ein Emulgator aus pflanzlichen Fettsäuren und Zitronensäure (hydrophil = Wasser liebend) und Stearin- und Palmitinsäure (lipophil = fettliebend). Das macht Lamecreme zu einem einfach zu verarbeitenden Emulgator, der stabile Emulsionen erzeugt und eine hohe Toleranz bei hohem Salz- und ph-Wert aufweist. 

(Meine ersten Cremes haben sich ganz oft nach einigen Tagen getrennt. Das lag daran, dass ich immer sehr gerne Natriumlaktat (Natriumsalz der Milchsäure) verwende. Mein damaliger Emulgator Emulsan II war nicht so Salz Tolerant und konnte deshalb die Emulsion nicht halten.)

Natriumlaktat:

Natriumlaktat bindet Wasser und dient der Bewahrung der hauteigenen Feuchtigkeit.

Glycerin: 

Glycerin hat eine tolle hydratisierende Wirkung auf die Haut. Zusätzlich fördert es die Hautelastizität und mildert Hautirritationen. Wir verwenden für die Herstellung von Naturkosmetik ausschließlich pflanzliches Glycerin, üblicherweise in einer 86%igen gereinigten Lösung. 

Aloe Vera: 

Aloe Vera lindert Juckreiz, es wirkt kühlend, entzündungshemmend und spendet Feuchtigkeit. Es stimuliert die Collagenproduktion. 

Urea / Harnstoff: 

Urea zieht Feuchtigkeit aus der Luft und bindet sie an sich, dadurch wird die Haut gut befeuchtet, der Fachbegriff heißt hygroskopisch. Urea ist ein Stoffwechselprodukt, dass auf gesunder menschliche Haut mit ca. 7% vorkommt. Bei erkrankter Haut wie Neurodermitis, Psoriasis und trockener Haut ist der Urea Gehalt bis zu 70% herabgesetzt und muss deshalb von außen auf die Haut aufgetragen werden.

Bei normaler Haut sollte Urea bis zu 10%ig in Formulierungen eingesetzt werden. Es wird empfohlen den Anteil von Urea und Glycerin gleichzusetzen.

Vitamin E: 

Vitamin E wirkt der Hautalterung entgegen, hemmt Entzündungen, fördert die Zellbildung und verzögert das Ranzig werden von Öl. 

Squalan: 

Squalan ist Teil des natürlich Hydrolat-Lipid-Films der Haut. Squalan ist das natürliche Pendant zum Silikon. Es bewahrt Haut und Haar vor Feuchtigkeitsverlust und sorgt für ein angenehmes Gefühl. Squalan wird normalerweise aus Pressrückständen von der Herstellung von Olivenöl gewonnen. Es unterscheidet sich aber deutlich von Olivenöl, da es nicht so fettig ist. Außerdem erhöht es das Einziehverhalten anderer Wirkstoffe. 

Bezugsquellen:

Bestellen könnt Ihr diese ganzen Schätze bei vielen Rohstoffhändlern. Ich bestelle gerne bei http://www.dragonspice.de, https://www.manske-shop.com/ oder jetzt ganz neu bei einer ganz lieben Instagram Bekanntschaft, die gerade ihren neuen Rohstoffhandel eröffnet hat. https://www.herbalpin.com/

Hättet Ihr gedacht, dass es eigentlich recht einfach ist, eigene Naturkosmetik herzustellen? Habt Ihr noch Fragen?

Lasst es mich gerne wissen.

2 Antworten zu “Naturkosmetik selbermachen”

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